Klassik trifft auf Jazz

Musik

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Unter dem Motto «Simple Sounds» spielte das Baarer Kammerorchester erstmals unter neuer Leitung auf.

  • Dirigent Jan-Philip Dolci führt das Orchester seit November.Bild: Jan Pegoraro (Inwil, 29.3.2025)
    Dirigent Jan-Philip Dolci führt das Orchester seit November.Bild: Jan Pegoraro (Inwil, 29.3.2025)

Baar – Das Baarer Kammerorchester spielte bei seinem Frühlingskonzert vor vollem Haus in der Inwiler Kirche St. Thomas. Es demonstrierte auf eindrückliche Weise, wie es die Grenzen zwischen Jazz und Klassik zu sprengen vermag. Für dieses Projekt arbeitete das Orchester mit den Musikern Simon Heggendorn (Violine und Komposition), Philipp Moll (Kontrabass und Komposition) sowie Michael Zisman (Bandoneon) zusammen.

Alle drei Solisten sind Grössen der Schweizer Jazzmu­sikszene. Das abwechslungs­reiche zeitgenössische Programm mit Werken von Philipp Moll sowie Simon Heggendorn wurde mit Benjamin Brittens bekanntem, im Jahre 1934 uraufgeführten Orchesterwerk «Simple Symphony» stimmungsvoll ergänzt. Moll komponierte und arrangierte das Werk «New Adventures in Alpine Sonics» im Jahre 2021. «Movement I – Schwyzerton Tirolerhand, frisch gestrichen» interpretierten die drei Solisten brillant. Der jazzige Satz mit grossartigen groovigen Elementen und markanten Solo-Intermezzi wusste zu begeistern. Das Publikum hörte, wie durch Verschiebungen von Akzenten aus einfachen Takt­gebilden besondere Rhythmen entstanden.

Der zweite Satz «Movement V – We Want More» war als Hommage an das Appalachian Echo mit seinen kurzen, wiederholten Motiven und verschiedenen eingewobenen Themen grossartig gespielt. Ein tranceartiger Sound machte sich in der Kirche breit, wobei der Einsatz der Bassgitarre eine zusätzliche Klangfarbe erzeugte.

Viele verschiedene Einflüsse

Das von Simon Heggendorn im Jahre 2018 komponierte Konzert «Saturation» für Streich­orchester mit solistischer Jazz­violine und Kontrabass verdichtete meisterhaft Einflüsse aus postromantischer Klassik, Jazz, Bluegrass und Folk. Dichte Streicherklänge trafen auf Passagen mit improvisatorischem Charakter – bis hin zu geradezu sphärischen Klängen.

Technische Streich- und Bogenelemente sowie abwechslungsreiche Rhythmen entführten das Publikum in einzigartige musikalische Welten. Der sich aufbauende, ekstatische Spannungsbogen bis zum Höhepunkt machte sichtlich gute Laune. Dazu kam ein jazziger Groove, temporeich mit wiederkehrendem Thema gespielt. Die Besucherinnen und Besucher quittierten das Gehörte entsprechend zurecht mit frenetischem Applaus.

Dem britischen Komponisten Benjamin Britten gelang mit der «Simple Symphony» ein spielerisch, jugendlich-leichtes Meisterwerk. In den vier charaktervollen Sätzen «Boisterous Bourrée», «Playful Pizzicato», «Sentimental Sarabande» sowie «Frolicsome Finale» zitierte Britten jeweils Themen aus seinen früheren Werken und interpretierte traditionelle Formen neu. So kam das volle Klangspektrum des Baarer Streichorchesters eindrücklich zur Geltung. Die Spielfreude der Musiker und Musikerinnen war förmlich spürbar und übertrug sich auf das Publikum. Die Herausforderung, ein klassisches Kammerorchester mit Klängen aus Jazz, Folks und Swing zu verbinden, war Jan-Philip Dolci bestens gelungen. Im November 2024 übernahm der junge, im Tessin aufgewachsene Dirigent die Leitung des Orchesters.

Der Spass am Spiel, manchmal kombiniert mit einem Augenzwinkern, war auf eindrückliche Art und Weise geglückt. Dazu passte die am Schluss gespielte Zugabe, angelehnt an Mani Matters «I ha en Uhr erfunde». Es war definitiv eine Konzert-Soiree, die viel gute Laune versprühte. (Text: Margot Huwyler)