Wie viel ist Kultur wert?

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Freischaffende Musikerinnen und Musiker der Populärbranche kämpfen für angemessene Honorare: Das Thema bewegte den 11. Zuger Kulturgipfel. Wie kann eine Basis geschaffen werden, der Problematik wirksam zu begegnen?

  • Michael Kaufmann, Präsident Sonart, und Eila Bredehöft, Geschäftsführerin Zug Kultur, diskutierten nach ihren Vorträgen mit dem Publikum.Bild: Andreas Faessler (Zug, 6.3.2025)
    Michael Kaufmann, Präsident Sonart, und Eila Bredehöft, Geschäftsführerin Zug Kultur, diskutierten nach ihren Vorträgen mit dem Publikum.Bild: Andreas Faessler (Zug, 6.3.2025)

Zug – Mit den technischen Errungenschaften und der rasanten Digitalisierung der vergangenen Jahre hat sich der Musikkonsum der Menschen grundlegend geändert – in vielerlei Hinsicht deutlich zum Nachteil von Urheberinnen und Urhebern geistigen Eigentums, vor allem der Musik. Besonders deutlich hat sich der Wandel auf die Populärmusik-Branche ausgewirkt: Während etwa im Klassik- oder Jazzbereich ausübende Musikerinnen und Musiker häufig ein vertraglich geregeltes Einkommen erwirtschaften, existieren für die Populärmusik keine klaren Honorarstrukturen, nach denen sich freiberuflich Tätige richten können.

Diese Umstände waren Ausgangs- und Schwerpunkt des 11. Zuger Kulturgipfels am Donnerstagabend im Kulturzentrum Galvanik. Der Zuger Kulturdirektor Stephan Schleiss eröffnete die Veranstaltung, zu der sich Interessierte aus Politik, Gesellschaft, Kulturförderung und ausübender Musikbranche eingefunden hatten. Moderiert von Aldo Caviezel, Leiter Amt für Kultur Zug, widmeten sich Eila Bredehöft, ehemalige Geschäftsführerin Galvanik und jetzige Geschäftsführerin Zug Kultur, sowie Michael Kaufmann, Präsident des Berufsverbandes für Musikerinnen und Musiker Sonart, mit zwei Impulsreferaten der Thematik.

Es braucht Richtlinien

Beide kennen die Branche bestens und wissen um die Schwierigkeiten für freiberufliche Profimusikschaffende, wenn es um die Zahlung angemessener und vor allem fairer Gagen geht. Eila Bredehöft schöpfte aus einer eigenen Studienarbeit, im Rahmen derer sie sich intensiv mit dem Problem auseinandergesetzt hatte. Dieses stellt neben den Ausübenden insbesondere Kleinbühnen und nicht subventionierte Kultureinrichtungen vor hohe Herausforderungen, zumal je nach Formation die Honorare für einen einzigen Konzertabend die finanziellen Möglichkeiten schnell sprengen.

Fakt ist: Bisher existierten auf dem Gebiet Populärmusik keine konkreten Empfehlungen von Branchenverbänden, an denen sich Veranstalter wie auch Musikschaffende orientieren konnten. Das habe zur Folge, dass sich freischaffende Profimusikerinnen und -musiker häufig mit einem unangemessenen Entgelt für ihre Auftritte zufriedengeben müssten, legte Eila Bredehöft dar. Deshalb ist es aus ihrer Sicht unerlässlich, dass einerseits richtungsweisende Branchenempfehlungen definiert und andererseits Umsetzungsrichtlinien der Kulturförderung ausgearbeitet werden.

Ohne zusätzlichen Brotjob geht’s meist nicht

Die ganze Problematik habe sich mit der Pandemiesituation deutlich verschärft, betonte Sonart-Präsident Michael Kaufmann daraufhin. Zwar habe man daraus insofern gelernt, als seither Fortschritte in Sachen Sozialversicherung und Altersvorsorge für Kulturschaffende gemacht worden seien. Was jedoch faire Honorare für die rund 40’000 freiberuflichen Musikschaffenden in der Schweiz betreffe, da seien keinerlei Auswirkungen festzustellen. Nur wenige von ihnen würden ihr Leben bestreiten können, ohne nebenher noch einem Brotjob nachgehen zu müssen.

In der Pflicht sieht Michael Kaufmann insbesondere die Kulturförderung, zumal viele Veranstalter kaum über garantierte öffentliche oder private Unterstützungsmittel verfügten. Kaufmann betonte unmissverständlich: «Es braucht mehr Geld von der öffentlichen Kulturförderung» – und adressierte sich dabei explizit an Kulturdirektor Schleiss. Kaufmann hielt aber auch fest, dass die Fördermittel auf Ebene der Gemeinden und Kantone limitiert seien und ein wesentlicher Teil davon an institutionelle Kulturträger gehe.

Die Folge: Für die freischaffende Kulturszene bleibt wenig übrig. Und das Dilemma: Wenn die Kulturförderung hingegen die Bedingungen gerechter Honorare für freischaffende Musikerinnen und Musiker angesichts der aktuellen Umstände berücksichtigt, droht im Gegenzug eine rückläufige Anzahl geförderter Projekte.

Darum ist für Michael Kaufmann klar: Es braucht zukunftsfähige Lösungen und Wege, damit der freischaffenden Musikszene der Rücken gestärkt werden kann. Sonart hat deshalb eine Richtschnur erarbeitet, an der sich Kulturschaffende wie auch Veranstaltende orientieren können. Demnach gelten unverbindliche Empfehlungen von einem Stundenlohn in der Höhe von 100 Franken respektive von einer Gage zwischen 600 und 800 Franken pro Person und Konzertauftritt.

«Damit wollen wir die Diskussion anstossen, um endlich Bewegung in die Sache zu bringen», sagte Kaufmann abschliessend und wollte es nicht missen, Lob und Dank gegenüber dem Kanton Zug auszusprechen, dass er im Rahmen eines Kulturgipfels diese wichtige Thematik ins Zentrum stelle. «Das ist vorbildlich», betonte er.

Pochen auf Transparenz

Aus dem Publikum folgte die brisante Meinung, dass im Kanton gewisse Kultureinrichtungen sehr wohl viel Geld erhielten, dieses jedoch mehrheitlich ins Management fliesse und davon wenig an die Kulturschaffenden selbst weitergegeben werde. Daraufhin pochte Michael Kaufmann auf Transparenz und die Pflicht von Fördererseite, auf eine gerechte Verteilung zu bestehen. Auch Aldo Caviezel mass dem Thema grosses Gewicht bei, brachte eine systematische Überprüfung allerdings mit einem erheblichen personellen Zusatzaufwand in Verbindung.

Darum kam Caviezel mit den beiden Referenten einstimmig zum Schluss, dass konkrete Empfehlungen von Branchenverbänden eine wichtige Grundlage seien auf dem Weg zu einer gerechten Honorierung freischaffender Musikerinnen und Musiker in der Schweiz.

(Text: Andreas Faessler)