Musik brachte ihm Freud und Leid
Literatur & Gesellschaft
Im neuen Buch «Immer vorwärts!» beschreibt der Unterägerer Niklaus Keller seine aufregende Lebensgeschichte und wie er es schliesslich schaffte, sich mit dem Erlebten auszusöhnen.
Unterägeri – Was Höhen und Tiefen sind, weiss Niklaus Keller nur zu gut. Dies beschreibt der 86-jährige passionierte Musikpädagoge in seiner neu erschienenen Biografie «Immer vorwärts!». Warum die Musik, die sein Leben bestimmte, ihm Freud und Leid bescherte und weshalb die Musikschule Unterägeri auch Spuren hinterlassen hat, das kam am Donnerstagabend im Haus Musica zur Sprache, wo Nik Hartmann, der bekannte TV-Moderator, Kellers Biografie vorstellte.
Der Titel steht sprichwörtlich für Kellers Leben, weil er trotz Problemen seinen Weg fand. Auf die Frage Hartmanns, warum er das Buch geschrieben habe, antwortete Keller: «Weil ich damals mit Schande von Unterägeri vertrieben wurde.» Dennoch lebt er seit langem hier. «Es ist die schönste Gemeinde der Schweiz», sagt Keller und grinst.
Der gut besuchte Anlass startete musikalisch heiter mit dem jetzigen Leiter der Musikschule Unterägeri, Fredi Bucher, am Kontrabass. Mit ihm spielten Jörg Wiget (Akkordeon), Kurt Iten (Klavier) und eine begabte Musikschülerin. Nik Hartmann gelang es danach im Gespräch mit Niklaus Keller, dessen Leben aufzublättern, «das nicht nur pianissimo, sondern fortissimo und presto verlaufen sei». Keller berichtet von der Kindheit im damals beschaulichen St. Gallen und der Lehrerausbildung in Rorschach, die er wegen der Musik begonnen habe. Viel Heiterkeit lösten die Episoden aus, wie er und seine Frau Traudi sich kennengelernt hatten.
Mobbing – wie ein roter Faden
Seine grosse Passion war jedoch die Musik. Schon bei seiner ersten Lehrerstelle in Rorschach, wo er nebenher Blockflöte und Klavier unterrichtete, wurde er «wegen Mobbing und Job-Neid» vertrieben. «Immer wieder waren es Neider, das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben», stellt Nik Hartmann fest. So auch in Adliswil, wo Keller die Schulmusik initiieren wollte. Obwohl das Angebot heute erfolgreich ist, war es damals politisch und aus finanziellen Gründen oftmals umstritten.
Dies musste der ausgebildete Schulmusiker Keller auch in Unterägeri feststellen, wo er 1973 der erste Leiter der neu gegründeten Musikschule wurde. «Um die Musikschule bekannt zu machen, organisierte ich grosse Konzerte mit verschiedenen Instrumenten und oft über 100 Kindern», so Keller. Doch die Anfeindungen, unter anderem auf einem Fasnachtswagen, sowie das Mobbing in seinem Wohnblock seien unerträglich geworden. «Trotz erfolgreichem Wirken musste ich aus gesundheitlichen Gründen demissionieren.» So wurde Keller 1980 arbeitslos, und Existenzängste hätten ihn geplagt. «Dann habe ich versucht, Immobilien zu vermieten und zu verkaufen.» Auch für die Familie, die ihn stets unterstützte, war es eine belastende Zeit.
Mit allem Frieden gemacht
Auf die Frage, warum er damals in Unterägeri geblieben sei, sagte er: «Ich hatte ein neues Haus, und im Quartier ging es.» Die Situation habe sich erst gebessert, als er in Widnau eine neue Stelle als Musikschulleiter fand, wo er während der Woche möbliert wohnte. «Das war eine gute Zeit, mit grossen Konzerten.» Doch auch hier folgten wieder Unstimmigkeiten, sodass er gehen musste und rund 50-jährig in grosse finanzielle Not geriet.
«Danach habe ich keine Stelle mehr gefunden.» Notgedrungen machte er als Unternehmer weiter, um die Existenz zu sichern. Der Tod seines Sohnes 2023 hat ihn hart getroffen. Trost gebe ihm der Glaube, der sei wichtig. Keller sagte zuletzt: «Das Buch war mir schon lange ein Anliegen. Ich will mich nicht als Schriftsteller profilieren, sondern mich endlich pensionieren. Und ich habe mit allem Frieden gemacht.»
Hinweis
Das Buch von Niklaus Keller «Immer vorwärts!» ist im Paramon Verlag erschienen: ISBN 978-3-03830-894-2.
(Text: Monika Wegmann)