Posaunenklänge mit Geigenauftakt

Musik

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Vor dem Konzert «Roaring Sounds» von Zuger Sinfonietta und Posaunensolist Kris Garfitt durfte die Violinistin Norah Durrer im Theater Casino Zug unter Beweis stellen, dass sie zu den «next generation talents» gehört.

  • Ganz in seinem Element: Soloposaunist Kris Garfitt im Zusammenspiel mit der Zuger Sinfonietta unter der Leitung von Daniel Huppert. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16.3.2025)
    Ganz in seinem Element: Soloposaunist Kris Garfitt im Zusammenspiel mit der Zuger Sinfonietta unter der Leitung von Daniel Huppert. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16.3.2025)

Zug – Seit vier Jahren pflegt das Theater Casino Zug das Programm «Next generation talents». «Das Prinzip kennen alle von einem Rockkonzert: Bevor das Konzert des eigentlichen Stars beginnt, spielt die Vorband», so beschreibt es das Haus. In Zusammenarbeit mit der Musikschule Zug und der Begabtenförderung Musikschulen Kanton Zug erhalten Nachwuchskünstlerinnen und -künstler die Möglichkeit, ihr Talent unter Beweis zu stellen.

Die junge Violinistin Norah Durrer steht am Sonntagnachmittag lächelnd im Kleinen Saal, in dem sich Familie, Freunde und Musikkundige eingefunden haben. Souverän hebt sie den Bogen und wirft sich in die frühlingshaften Klänge von Beethovens Sonate Nr. 5 F-Dur, op. 24. Am Klavier begleitet von Daniel Vayman, zeigt sie dezidierte Strichführung, schnelle Finger und eine jubelnd-frische Phrasierung, aber auch emotionales Selbstbewusstsein. Zwei barocke Tänze von Johann Sebastian Bach fordern ihr Mehrstimmigkeit und Rasanz ab.

Inspiration aus dem Orchestergraben

«Mit sechs Jahren durfte sie bei einer Opernaufführung in der ersten Reihe sitzen und sah direkt in den Orchestergraben. Sie kam heim und entschied, dass sie Geige spielen wollte. Das hat sich nie mehr geändert», erzählt ihre Mutter Barbara Durrer in einer kurzen Pause. Seit damals spielt ihre Tochter nun ihr Lieblingsinstrument, unterstützt durch das Programm der Begabtenförderung der Musikschulen Kanton Zug. Die Zwanzigjährige besucht die Sport- und Musikklasse der Kanti Alpenquai in Luzern und steht kurz vor der Matura. Am Pre-College der Hochschule für Musik Luzern wird sie von Igor Karsko unterrichtet und plant dort auch ein Profi-Studium.

Mit Josef Suks Ballade für Violine und Klavier d-Moll, op. 3b kommen weitere Facetten der jungen Geigerin zur Geltung: Ihr Spiel beginnt, Stimmungen zu malen – Nachdenkliches und Wildes, Zartheit und Aufbegehren. Berührend. Die abrupten Gefühlswechsel sind Klippen, die sie mit Leichtigkeit bewältigt. Und das letzte Stück des halbstündigen Vortrags – «Im Stile von Albéniz» von Rodion Shchedrin – demonstriert nicht nur ihre Sicherheit in komplexen Rhythmen, sondern auch die Lust an mutwillig-schrägem Witz.

Soloposaune für Romantik und Jazz

Ein programmatisch ungewöhnlich dichtes Konzert bot anschliessend die Zuger Sinfonietta im Grossen Saal dar. Im Zentrum stand die Zusammenarbeit mit dem britischen Posaunisten Kris Garfitt, der sich vor allem im deutschen Sprachraum einen Namen als Solist gemacht hat.

Die Posaune erlebt man selten solistisch. Das klangstarke Blasinstrument hat jedoch einen ganz besonderen Reiz – das bewiesen Garfitt und die Zuger Sinfonietta mit Bearbeitungen von Matthias Bucher, in denen er Musik aus zwei unterschiedlichen Epochen für Posaune arrangiert hatte. Das Concertino für Posaune und Kammerorchester vereinte Melodien aus dem Werk von Carl Maria von Weber – Auszüge aus seiner Sonate Nr. 2, eine Romanze und Teile des «Rondo und Adagio für Bläser». Diese lyrische Bandbreite arbeitete Garfitt eindrücklich heraus: Fürstenhöfe und Waldatmosphäre, zart-melancholischer Samt und bedrohliche Gewitter, Herzinnigkeit und clownesker Rundtanz. Romantik pur.

Nach der Pause dann eine ganz andere Stimmung. Vor Garfitt standen jetzt diverse Dämpfer, die er in Erwin Schulhoffs Hot-Suite für Posaune und Kammerorchester immer wieder auswechselte und damit Klänge produzierte, die zum Jazz und der modernen Tonsprache dieses Stückes passten. Unterstützt vom Schlagzeuger der Sinfonietta, war die Posaune nun in der Neuen Welt zu Hause, mal stark synkopisch und Töne verziehend, mal leise quäkend und näselnd, dann in einem polonaise-artigen Rag, um am Ende in einen hellen, in rasantem Accelerando sich aufgipfelnden Marsch zu münden.

Umrahmt wurden die Posaunensolo-Stücke von zwei Orchesterwerken, die sich musikhistorisch daran anschmiegten: Joseph Haydns «Abschiedssinfonie» Nr. 45 und Antonín Dvořáks Amerikanische Suite A-Dur, op. 98. Das Publikum klatschte Kris Garfitt, das Orchester und seinen Dirigenten Daniel Huppert so lange heraus, bis es Zugaben erhielt. (Text: Dorotea Bitterli)